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Barbie hates me… because Ken fucked me!

Über Brustkrebs und Angelina Jolie.

Jährlich sterben weltweit circa 400.000 Frauen an Brustkrebs und das ist noch eine ungenaue, positive Schätzung.
Brustkrebs ist mit einem Anteil von 32% die häufigste bei Frauen vorkommende Krebsart.
Jedes Jahr erkranken circa 72 000 Frauen in Deutschland an Brustkrebs.
Das sind auf im europäischen Durchschnitt bei 100 000 Einwohner, je 171 Frauen, die Brustkrebs haben.
Davon sterben im Schnitt 41 Stück. Also 41 von den 171 Frauen.
Nur in Deutschland.

Dieses Thema ist viel zu komplex als das ich alles darüber recherchieren und hier aufschreiben könnte.
Allerdings musste ich heute morgen kotzen als ich Twitter aufmachte und las, wie sich viele über Angelina Jolie lustig machten, die sich vorsorglich die Brüste entfernen und neu konstruieren lies, weil sie das BRCA1-Gen in sich trägt. (Zu dem Gen gleich mehr.)

Wie wir alle wissen, kann Krebs genetisch bedingt ausbrechen.
Es gibt zwei verschieden Gene, die das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, drastisch erhöhen: BRCA1 und BRCA₂.
Bei ersterem Gen erhöht sich das Risiko an Brustkrebs zu erkranken im Durchschnitt um 65% und bei zweiterem um circa 45%.
Wenn es schon mal Brustkrebs-Erkrankte in der Familie gab, steigt das Risiko einer Erkrankung noch weiter.
Angelina Jolies Mutter starb mit 56 an Brust Krebs.
Angelina Jolie trägt nach eigener Aussage das BRCA1-Gen in sich und wäre mit 87%iger Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs erkrankt.
(Auf alle anderen Faktoren, die bei Brustkrebserkrankungen eine Rolle spielen können, möchte ich hier nicht eingehen. Wie schon beschrieben, gibt es zu viele und hier soll es ja nur um das Thema Angelina Jolie und ihre präventive Mastektomie gehen.)

Heutzutage gibt es die medizinischen Möglichkeiten zu erfahren, ob man das Gen in sich trägt, oder eben nicht.
Mithilfe einer vollständigen, vorsorglichen Mastektomie kann man das Risiko an Brustkrebs zu erkranken deutlich minimieren.
Es gibt verschiedene Studien zu dem Thema, aber im Durchschnitt sinkt das Risiko um circa 90%.

Meine Oma ist an Krebs gestorben.
Ich habe sie leiden sehen bis zum letzten Tag.
Auch mein Opa ist an Krebs gestorben.
Und auch ihn habe ich leiden sehen bis zum letzten Tag.
Nun, jetzt sind beide nicht an Brustkrebs gestorben, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass man an Brustkrebs „schöner“ verstirbt als an Magen- oder Lungenkrebs.

Ich möchte das Ganze so nicht durchleben müssen und ich wünsche es auch keinem Menschen auf dieser Welt.

Angelina Jolie ist eine 38jährige Frau mit sechs Kindern.
Sie hat ihre Mutter an Brustkrebs leiden und sterben sehen.
Sie weiß, dass sie mit einer 87%igen Wahrscheinlichkeit genau denselben Weg gehen muss.
Vielleicht müsste sie nicht daran sterben, vielleicht würde sie auch gar nicht erkranken, aber wer weiß sowas schon vorher?

Ich liebe meine Brüste wirklich sehr.
Aber wenn ich eins auf der Welt noch mehr liebe, dann sind es meine zwei Kinder.
Und wüsste ich, dass ich mit einer so hohen Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs erkranke, dann würde ich denselben Schritt gehen wie Angelina Jolie.

Gibt es tatsächlich irgendjemanden auf der Welt, der lieber jeden einzelnen Tag seines restlichen Lebens die Angst haben möchte, dass er an Brustkrebs erkrankt als einfach vorn vorneherein zu sagen ich minimiere das Risiko zu erkranken auf das Minimalste?

In diesem Zeitungsartikel erzählt Angelina Jolie von ihrer Angst an Brustkrebs zu erkranken, von ihrer präventiven Mastektomie und versucht betroffenen Frauen Mut zu machen.

Ich finde es maximal Scheiße, dass es da echt Leute gibt, die sich drüber lustig machen.
Ihre OP fand schon im Februar statt.
Wie leicht hätte sie einfach das Maul halten können und es wäre niemandem aufgefallen.
Nein, jetzt bekommt sie noch eins auf den Deckel, weil sie Betroffenen Mut zu sprechen möchte und offen und ehrlich damit umgeht.

In meiner Twitter-Timeline waren das vornehmlich Männer, die sich darüber lustig gemacht haben.
Auch Männer können an Brustkrebs erkranken.
Jährlich alleine in Deutschland circa 500 Stück.

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13 Gedanken zu „Über Brustkrebs und Angelina Jolie.

  1. !

    Vielleicht denken diese Menschen ernsthaft, dass eine Frau sich leichtfertig von ihren Brüsten trennt. Dass es keine Belastung (und damit auch wieder ein Trigger) ist, wenn man sein Leben lang Angst hat zu erkranken.

    Wenn ich wüsste, dass ich mit 87% erhöhter Wahrscheinlichkeit Opfer eines Zugunglücks dieses einen Zuges werde, würde ich nicht einsteigen. Warum auch. Um darauf zu hoffen, dass die 13% schon reichen werden? Nein, danke.

    Ich war letztes Wochenende auf der Urologie und habe mich mit einem Mann unterhalten, dem die Prostata abgeschabt wurde, weil der PSA-Wert erhöht war. Vorsorglich. Es wurde vorsorglich gemacht, weil sein Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, deutlich erhöht war und man auf Nummer sicher gehen wollte. Kein Thema, keine Diskussionen, absolutes Verständnis, keine dummen Sprüche.

    Aber es geht dabei ja auch nicht um Brüste…

  2. Anon sagte am :

    Von Menschen redet man nicht in „Stück“. Mal so nebenbei angemerkt.

  3. Vielen Dank für diesen schönen Text zu einem furchtbaren Thema.

  4. Ich hab ja wohl Glück in meiner Timeline, denn ich hab dort keine negativen Kommentare zu der mutigen Entscheidung gelesen, ganz im Gegenteil. Da hab ich wohl eine positive Filter-Bubble, um es mal so zu sagen.

    • In meiner direkten Timeline hatte ich das auch nicht, es wurde mir per Retweet in die Timeline geschwemmt um darauf aufmerksam zu machen. Ich wollte mich an derlei Empfindlichkeiten nicht aufhalten.

  5. Also, bitte!! Der Schritt von Frau Jolie ist zunächst einmal ein sehr mutiger und sehr privater Schritt und sicherlich voller Verantwortung ihrer Familie gegenüber getroffen.
    Aber: Sie ist auch ein Sexsymbol. Und sie ist dadurch (und natürlich als Promi und erfolgreiche Schauspielerin) eine öffentliche Person.
    Daher bin ich der Überzeugung, dass ich ihre Rolle als Sexsymbol in Zusammenhang mit ihrer Brust-OP bringen und damit persiflieren darf. Wie gesagt, ihre Rolle als Symbol, Schauspielerin und öffentliche Person. Nicht ihre verantwortungsbewußte Entscheidung für die OP.
    Just my 2 cents.

    • Bei Angelina Jolie handelte es sich um Gesundheitsvorsorge und nicht um eine Schönheits-OP. Nach wie vor bleibt es jedem selbst überlassen über gewisse Themen Witze zu reißen oder nicht.
      Allerdings bleibt es auch mir überlassen, das eben nicht lustig zu finden und das auf meinem Blog zu verbloggen.
      Manchmal kann man mit seinen Witzen auch einfach mal hinter dem Berg bleiben.
      Keine Frau dieser Welt trennt sich leichtfertig von ihren Brüsten. Das ist ungefähr so als würde ein Mann seinen Penis entfernen und sich einen Plastikpenis hinoperieren lassen. Eine Rekonstruktion mit Silkonbrüsten ist nicht zu vergleichen mit richtigen Brüsten. Oder auch nur einer Schönheits-OP bei der Frauen das machen um einem vermeintlichen Schönheitsideal nachzujagen. Wenn mir nach einer Schönheits-OP meine Silikonbrüste nach zehn Jahren nicht mehr gefallen, kann ich das Silikon wieder entfernen lassen.
      Macht das eine Frau nach einer Mastektomie, bleibt sie für immer ohne Brüste.
      Nee, sorry, da gibt es nichts drüber zu lachen oder zu persiflieren.

  6. Wenn ein Mann aus gesundheitlichen Gründen seinen Penis amputieren lässt: ok, seine private, hoffentlich gut durchdachte Entscheidung.
    Wenn Silvio Berlusconi das tut: dann bringe ich das in Zusammenhang mit seiner Rolle als Womanizer und Bunga Bunga König.

    Ok. Augenscheinlich haben wir da unterschiedliche Sichtweisen. Gut so. Meinungsaustausch ist ja nun mal nicht: Mit meiner Meinung reingehen und mit ihrer Meinung rausgehen … 😉

  7. Michael Schröder sagte am :

    Die Entscheidung von Frau Jolie ist natürlich zu respektieren!
    Man sollte aber auch erwähnen das das genannte BRCA1 Gen, welches nach neuesten Studien für 8,5 % aller Brustkrebserkrankungen verantwortlich ist, nur dann Krebsfördernt ist wenn das Gen eine Loss-of-function-Mutation aufweist. Ob das bei Frau Jolie der Fall war vermag ich nicht zu sagen.
    Allerdings…dieses mutierte Gen ist ebenso stark Eierstock/Dickdarm/Prostatakrebs fördernd.
    Wenn Frau Jolie sich aus Vorsorgegründen die Brüste hat entfernen lassen so ist das allein ihre Sache…..Schutz vor einer Krebserkrankung wird es nicht bringen.

  8. Witze an sich finde ich nicht so schlimm. Humor war schon immer ein Mittel um ernste und bedrohliche Themen zu verarbeiten.
    Die Entscheidung ernsthaft zu kritisieren oder sich ein Urteil anmaßen zu wollen hingegen ist ein Unding. Bei 87% Wahrscheinlichkeit würden wohl die allermeisten zumindest ernsthaft ins Grübeln kommen. Und wie viele Einschränkungen jemand für sein Überleben auf sich nimmt ist wohl jedem selbst überlassen. Ich hätte mich genauso entschieden, würde aber auch nicht die Entscheidung einer Frau kritisieren, die sich für den Erhalt der Brüste entscheidet.
    Aber es besser zu wissen als diejenigen, die tatsächlich eine Entscheidung treffen müssen, ist schließlich normal, also überrascht die Reaktion nicht^^

  9. Ruth sagte am :

    Äußerlich gesund wirkende Menschen mit einer geistig-emotional-verkrüppelten Denke werden jetzt sagen: „Nun ist unsere ´Jolie` ein Krüppel … Aber … dann sind ja alle Frauen mit Brust-Implantaten und diesen Narben Krüppel … O Mann, dann ist der ´Playboy` ja ein Behinderten-Magazin …“

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