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Barbie hates me… because Ken fucked me!

Nicht mein Stuttgart21

In meiner Timeline werde ich auch heute noch über Stuttgart21 informiert.
Es macht mich jedes mal aufs Neue traurig, bestürzt und vor allem eins: wütend.

In meiner Jugend haben wir viel Zeit in Stuttgart im Schloßgarten verbracht.
Wir trafen uns dort im Sommer, saßen unter den Bäumen  im Gras und hatten einfach Spaß.

Als ich 18 wurde, 2005, zog ich nach Dortmund.
Wenn ich hier runter kam, meine Familie besuchen, versuchte ich immer einen kleinen Spielraum beim Umsteigen zu haben, um Zeit im Schloßgarten zu verbringen.

Die Anfangs Zeit von S21 bekam ich nur mit, weil ich einen Freund habe, der sich bei den Parkschützern (reinlesen in das Thema müsst ihr euch selbst, denn sonst wird das hier zu viel, ich werde aber hier und da ein paar Links zum Reinlesen hinterlassen) engagiert.
Er erzählte mir von den ganzen Missständen, die Vorort bezüglich diesen Themas herrschte.
Er erzählte mir von den Ganzen Gründen, die gegen S21 sprechen (der Link zeigt nicht nur die Gründe, die gegen S21 sprechen, er stellt auch das Projekt der S21-Gegner vor, wie man den Kopfbahnhof erhalten und trotzdem modernisieren könne. Das Projekt nennt sich K21).
Und er erzählte mir, von den Bäumen, die im Schloßgarten gefällt werden sollen. (Das Ausmaß wie viele, mehrhundertjährige Bäume, gefällt werden sollen, wurde mir erst später klar, als ich selbst vor Ort war, aber dazu möchte ich später kommen.)
Da einige meiner Freunde sich gegen dieses Projekt S21 engagierten, schaute ich mir die Demo, die später als Schwarzer Donnerstag in die Annalen eingehen sollte, auf einer Internetseite live an. (Ich verschrieb mich da vorhin, deshalb wurde das korrigiert. Danke fürs aufmerksam machen.)
Was ich dort sah, war wie die Demokratie für mich starb.
Für mich war es nichts anderes als reine Polizeiwillkür.
Auf friedliche Demonstranten wurde mit Wasserwerfern und Reizgas losgegangen.
Hilflose Kinder dazwischen.
Ich war so fassungslos.
Noch fassungsloser war ich, als hinterher Stimmen laut wurden, die sagten, dass Kinder dort eh nichts zu suchen hätten.
VERDAMMT NOCHMAL, WENN ICH MEINEM KIND ZEIGEN WILL, DASS WIR IN EINEM DEMOKRATISCHEN LAND LEBEN, IN DEM ES ERLAUBT IST PER GRUNDGESETZ GEGEN ETWAS ZU DEMONSTRIEREN, DANN DARF ICH DAS AUCH!!!!!!!
Ich nehme meine Kinder ganz sicher nicht auf eine Anti-Nazi Demo mit, wo sich eben meistens die Steinewerfer tummeln, aber ich nehme mein Kind sehr wohl in einen Park mit, in dem gegen das Fällen von Jahrhundert alten Bäumen geht.
Bis dato, ich schäme mich so sehr und gebe es ungern zu, war ich CDU Parteimitglied. (Dazu braucht niemand was sagen, ich schäme mich wirklichwirklichwirklich selbst genug)
Danach natürlich nicht mehr.

Das war im Jahr 2010.

Vor zwei Jahren, im Jahr 2011, bin ich wieder nach Baden Württemberg gezogen.
Schweren Herzens, aber da war ich wieder.
Ich traf mich eines Abends mit meinem Freund, der von den Parkschützern, in Stuttgart zum Cocktails trinken.
Wir redeten über S21, wir redeten über das, was jetzt gemacht wird noch.
Inzwischen waren die hartnäckigsten Gegner des Projektes in den Schloßgarten gezogen.
Sie hatten dort ein Zeltcamp.
Es war ein Spätsommerabend und ich wollte mir dort das Zeltcamp (in das einige Wochen später auch mein Bruder zog) einmal ansehen.
Dort angekommen, sah ich eine riesen Zeltstadt, mit vielen Plakaten.
Alles bunt und aufgeräumt.
Es war einfach nur schön zu sehen und das Engament war großartig.
Da waren nicht nur Jugendliche und junge Erwachsene, nein, da waren auch Leute so um die 40 und aufwärts.
Mitten drin ein Infostand, an dem mich eine tatsächlich alte Frau, sie muss so um die 60 gewesen sein, begrüßte.
Ich erzählte ihr, dass ich mich mit dem Thema an sich noch nicht großartig auseinander gesetzt hätte, weil ich eben erst wieder nach Baden Württemberg gezogen bin.
Sie gab mir gleich einige Flyer in die Hand und erzählte mir auch über die akuten Risiken, die überall in den Medien immer als reine Erfindung der Gegenseite propagiert wurden.

Da ich euch sooooo gerne erzählen würde, was S21 nicht nur zu einem schwachsinnigen Projekt macht, sondern auch zu einem riskanten Plan, habe ich hier mal etwas rausgesucht und möchte euch bitten euch die Mühe zu machen, das zu lesen.
Da geht es nur darum, was in einem Brandfall, in dem sich die Leute noch IM Zug befinden, passieren würde, so wie der Tunnel und seine Notausgänge geplant sind.

Ganz zu schweigen, dass man nicht weiß, was geologisch auch und vorallem mit unseren Heilquellen passiert, wenn man den Grundspiegel absenkt. Es ist schlichtweg unvorhersehbar. Es wäre sehr schade, wenn im schlimmsten Fall die Quellen versiegten.

Und da gibt es einfach noch ein bisschen mehr. Alles zu recherchieren im Netz. Grausam.

Nachdem wir so eine Stunde mit der Frau gesprochen haben, liefen wir noch ein bisschen durch den Park.

Es war so circa zehn Uhr, ich genoß die Zeit mit meinem Freund, den ich ja nicht sooft gesehen habe, als ich noch in Dortmund wohnte und wollte noch nicht heim.
Da schlug er vor, dass wir ja durch den Schloßpark bis nach Bad Canstatt laufen könnten und ich da in meine U-Bahn nachhause steigen könnte – die letzte würde ich noch kriegen, wenn wir gemütlich laufen.
Es war ein wunderschöner Spaziergang.
Stuttgarter selbst, wissen wie lange der Weg ist.
Am Zoo vorbei zum Naturkundemuseum und dort auf die Bahn.
Unterwegs beschäftigte mich das Thema doch sehr, wir redeten fast nur darüber, und mein Freund zeigte mir, bis wohin die Bäume gefällt werden sollen.
Es war desaströs für mich.
Bis dato dachte ich, dass „nur“ ein paar Bäume im mittleren Schloßgarten gefällt werden sollen, doch das Ausmaß war viel schlimmer.
Es sollte bis in den unteren Schloßgarten gehen, in dem Kastanien stehen, so groß wie ein Hochhaus und so alt, dass sie noch von der Zeit berichten könnte, in der Württemberg ein Königreich war, wenn sie reden könnten.
Ich hätte heulen können.
Ich könnte es noch heute, wenn ich daran denke, dass nach der Zeltstadt-Räumung letztes Jahr, dann auch die Bäume gefällt wurden.
Es war und ist ein Wutheulen meinerseits.

Bei dem Volksentscheid durfte ich leider nicht wählen, weil ich zu dem Zeitpunkt noch keine drei Monate wieder in Baden Württemberg war, ich mobilisierte aber soweit es ging, alle meine Freunde, Verwandten und Bekannten, dass sie JA ankreuzten auf dem Zettel zum Volksentscheid.
Wählen durfte übrigens auch ein Freund von mir, seines Zeichens Türke, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt und hier arbeitet und Steuern bezahlt und somit das Projekt S21 mitfinanzieren muss, nicht.
Aber darüber regen wir uns dann an anderer Stelle mal wieder auf.
Es kam, wie es kommen muss: Der Volksentscheid ging so aus, dass S21 gebaut werden soll.

Jetzt ist es so, dass das Projekt kurz vor dem Scheitern ist.
Jetzt, ein Jahr, nachdem die Bäume gefällt wurden.
Die Bäume wurden übrigens nur gefällt, weil man eine Baustellenabfahrt brauchte.
Das Projekt steht aus vielerlei Gründen vor dem Scheitern, aber es ist nicht ein einziger dabei, der nicht schon vor zwei Jahren, bzw. drei, von den Gegnern genannt wurde.
Es gibt nicht nur Gründe, sondern es gibt auch Risiken, die es zu beseitigen gilt.
Beim Stresstest wurde damals insofern geschummelt, dass zwar ein unabhängiges Unternehmen diesen Stresstest durchführte, allerdings nur das testete, was die Bahn vorgab.
Davon haben sich alle beinflussen lassen.
Alle Leute, die ich kenne, die S21 pro waren (das waren eh nicht viele), sind inzwischen umgekehrt und sehen ihre eigene Dummheit ein.
Hier noch etwas zu lesen über die Risiken: 121 Risiken

Meine Wut ist so grenzenlos.

Für Menschen, die nicht aus der Umgebung kommen, sind die Schwaben ein engstirniges Volk, das den Fortschritt verhindern will.
Im Internet gibt es alle Risiken, Gefahren und Gründe zu lesen, die gegen einen Tiefbahnhof sprechen.
Es ist hier niemand gegen eine Modernisierung, nur gegen das, was da genau jetzt passiert.

Ich bin sauer, weil ihr uns unseren Park genommen habt.
Der Park, der dem Baden Württembergischen Volk 1807 vom König geschenkt wurde, wurde dem Volk von Mappus und der Deutschen Bahn wieder genommen.

Inzwischen ist es mir ziemlich egal ob Stuttgart 21 durchgesetzt wird oder nicht.
Die Bäume sind weg.
Da kann man eh nichts mehr machen.

Der Bahnhof selbst ist mir egal, obwohl mir tatsächlich mulmig wäre ihn zu benutzen, bei all den mir bekannten Risiken.

Vielleicht braucht es ja tatsächlich eines der vielen vorgezeigten Katastrophen damit man „da oben“ mal kapiert, dass man auch mal auf das kleine Volk achten und hören könnte.

Eine wütende Barbie.

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6 Gedanken zu „Nicht mein Stuttgart21

  1. Danke für diesen Bericht!
    Aber wichtig: Niemals aufgeben!
    Campact: Stuttgart 21 stoppen! Appell unterzeichnen:
    https://www.campact.de/stuttgart21/appell/teilnehmen/

  2. PROvomieze sagte am :

    die Hälfte deiner Wut könnte ich entkräften, wenn ich wollte. aber ich will nicht.

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