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Barbie hates me… because Ken fucked me!

Wie ich den Weihnachtsmann verbrannte (& alle anderen Weihnachtsbräuche gleich mit).

Es war Anno 2010, genauer gesagt am 24.12.2010 (ja, das war erst gestern, aber, wenn irgendwann in zehn Jahren irgendjemand die Geschichte liest, dann soll sich das auch ein bisschen historisch anhören), als ich das schönste Weihnachten meines Erwachsenenlebens erleben durfte. Ohne Stress. Mit Verhütungsgesprächen. Einem Weihnachtsessen ganz nach meinem Gusto. & ganz mit mir alleine.

Als Kind war Weihnachten für mich immer etwas Besonderes & die 24 Tage bis zum Heiligabend fühlten sich so schrecklich lang an. Wie ein Kaugummi, den man aus dem Mund nimmt, um zu testen, wie weit man ihn auseinander ziehen kann. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass er sich so lang ziehen lässt, bis man ihn nicht mehr halten kann & er alle Kleidungsstücke bis zur Unrettbarkeit einsaut. Also sehr lang. Für mich fühlten sich diese 24 Tage länger an, als die anderen 341 Tage zusammen. Wenn der Heiligabend dann endlich da ist dauerte es noch mal ewig, bis man endlich die Geschenke auspacken durfte. & dann war auf einmal innerhalb von gefühlten zwei Nanosekunden alles wieder vorbei. Alles, worauf man 365 Tage (& in Schaltjahren sogar 366 Tage) wartete. Spielsachen waren zwei Wochen interessant & dann eher geht so. Ich habe schöne Erinnerungen an mein Weihnachten. Meine Großeltern, bei denen ich lebte, pflegten schöne Traditionen & der Kartoffelsalat meiner Oma war einfach der Beste.

Dann wurde ich älter, meine Großeltern auch. Wie der Lauf der Dinge so ist, starb mein Opa im Jahr 2004 & meine Oma im Jahr 2005.
Ich war gerade 18 & wurde nicht nur meiner Großeltern beraubt, sondern auch meines Weihnachtsfestes.

Mir blieb nichts anders übrig als bei meinen Eltern zu feiern. Die Weihnachtsfeste wurden desaströs, wie alle Veranstaltungen, die ich mit meinen Eltern beging, aber bis dahin dachte ich noch, dass alles besser sei, als alleine zu feiern. Der weltbeste, selbstgemachte Kartoffelsalat wurde gegen Kartoffelsalat aus dem Supermarkt & besinnliche, fröhliche Stimmung gegen Streit & schlechte Laune eingetauscht. Aber es ist besser, als alleine zu sein.
Dachte ich.

Erwachsenen-Weihnachten war noch nie mein Ding. Ich mag Stress im Allgemeinen nicht. Ich bin ein gemütlicher Mensch. Wenn Menschen sich zerfleischen beim Einkaufen, dann bekomme ich Stresspusteln & ungeahnte Agressionen. Killerspiele als Vorlage für Amokläufer? Nicht bei mir. Bei mir reichen Weihnachtseinkäufe. Irgendwann ist man ja leider raus aus dem Weihnachtsgeschenke-selber-bastel-Alter. Leider. Ich habe für jeden Verständnis, der mir eine Skulptur aus selber zusammengeklebten Nudeln zu Weihnachten schenkt. Irgendwann habe ich es aufgegeben-von mir bekommt niemand mehr was. Ich schenke lieber unter dem Jahr.

Dieses Jahr brach ich mit meinen Eltern. Es war mein erstes Weihnachten alleine. Ich hatte ein bisschen Bammel. Las im Vorfeld Statistiken über die erhöhte Selbstmordrate zu Weihnachten & wurde noch depressiver, als ich es eh schon vorher war. Ich sah mich innerlich schon die Selbstmordrate an Weihnachten-Statistik für nächstes Jahr um mich erhöhend & ich war ziemlich unentspannt.
Dann kam der Heiligabend & es war? Nichts. Kein Gefühl des Alleineseins, kein Gefühl des Traurigseins. Einfach nichts. Es war ein sehr schöner Tag, hatte ich mir vorher zwei Bücher zur Beschäftigung besorgt & mich mit leckerem Essen eingedeckt. Selbst beim Weihnachtsesseneinkauf selber, am 24.12. morgens, war ich noch so chilläxt, dass mich sogar die Menschen, die mich mit ihren Einkaufswägen anrempelten & mit ihren agressiven Blicken anschauten, nicht nerven konnten. 100 Dezibel & RTR im Ohr taten dabei ihr Übriges.

Ich kam nachhaus & machte Bescherung. Das, was ich mir schon als Kind immer wünschte, wurde endlich wahr: Ich konnte um zwölf Uhr mittags schon meine Geschenke aufmachen. Ich musste mich vor niemandem rechtfertigen. & es fühlte sich großartig an. Ich rief meinen Bruder an, wir telefonierten & ich fühlte mich wie seine Mama, weil ich ihm, trotz seiner 19Jahren nochmal eindringlich erklären musste, wie wichtig es ist, Kondome zu benutzen. Dabei aß ich mein Weihnachtsessen. Tortillas.* Das schmeckt um Längen besser, als gekaufter Kartoffelsalat. Ich las mein Buch, ich freute mich des Lebens.

Weihnachten 2010 – es war ein Fest ohne Stress. Mit leckerem Essen. & ohne Streit. Mit einem Menschen, den ich liebe & der mich meistens liebt, mit mir. So möchte ich mein Weihnachten ab jetzt gerne jedes Jahr verbringen, für den Rest meines Lebens.

FROHE WEIHNACHTEN FÜR EUCH! Ganz egal wie & wo & mit wem ihr feiert.

*Vor ein paar Wochen fing ich an meine vegetarische Ernährung zur veganen umzustellen, was bei unseren tollen Läden gar nicht so einfach ist. Ich musste merken, dass lactosefrei nicht unbedingt ohne Milch bedeutet &, dass es, zumindest in Konstanz, im Aldi keinen Sojakäse & im Kaufland zwar lactose-, aber eben keinen milchfreien Käse gibt. Ich lernte, dass auch in Veggieschnitzeln Eiklar drin ist & werde mich wohl den Rest meines Lebens von Margarine-Brot, Obst, Gemüse & Tortillas ernähren. Tortillas sind aber eine gute Ernährungsweise bis zum bitteren Ende. Es hätte mich härter treffen können. Aber dazu demnächst mal mehr.

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8 Gedanken zu „Wie ich den Weihnachtsmann verbrannte (& alle anderen Weihnachtsbräuche gleich mit).

  1. highclasstussi Was machst du wenn du den geilsten Kerl oder das geilste Weib (Ich weis ja nicht wie rum du bist ;)) kennen lernst und mit dieser Person dein Leben verbringst.

    • Lieber Anton,
      ich verliebe mich in Menschen & nicht in Geschlechter, bisher waren es zwar bis auf einmal immer Männer, aber ich schließe nichts aus.
      Ich schließe nichts aus, außer, dass ich einmal einen Menschen kennenlernen werde, mit dem ich mein Leben verbringen werde.
      Von demher machte ich mir bisher keine Gedanken darüber. Aber, wenn es ein Mensch ist, den ich liebe, dann ist es ein Mensch, der mich akzepiert & liebt & das auch akzptieren würde, dass ich von Weihnachten nichts halte. Er dürfte dann gerne mit mir gemeinsam „nichtweihnachten“ oder aber auch gerne zu seiner Familie fahren um zu weihnachten, ohne mich.
      Ich hoffe, dass das Antwort genug ist.

      • Ich meinte damit halt einfach nur, was du machst wenn du nen Partner hast. Und nicht das du dich in ein Geschlecht verliebst. Aber es war eine gute Antwort. Danke.
        Anm. d. A. Dieses Jahr war auch mein erstes Erwachsenweihnachtsfest. 😉

      • Das habe ich schon verstanden. 😉 Erwachsenenweihnachten ist großartig!

  2. dieblaueneu sagte am :

    Weihnachten 2010 – es war ein Fest ohne Stress. Mit leckerem Essen. & ohne Streit. Mit einem Menschen, den ich liebe & der mich meistens liebt, mit mir.
    So möchte ich mein Weihnachten ab jetzt gerne jedes Jahr verbringen, für den Rest meines Lebens.????
    Erwachsenenweihnachten ist großartig!???
    ————————
    Die Sehnsucht nach Liebe erfüllt die Menschen. Ich hoffe, Du findest was Du suchst.

    • Ich suche nicht. Habe ich auch noch nie. Was bedeutet schon Weihnachten? Man sollte immer nett zu anderen Menschen sein, zumindest so nett, wie man selber behandelt werden möchte. Nicht nur an Weihnachten. Ich genüge mir selbst und definiere mich nicht über andere. Ich habe Freunde, die mich lieben. Das reicht mir. Für alles andere bin ich offen, aber ich suche nicht und habe auch keine Sehnsucht danach.

  3. Frohe Weihnachten! Finde deinen Text sehr interessant. Für mich mal eine völlig andere Sicht der Weihnachtswelt. Bei uns ist immer volles Programm durch die ganze Family angesagt. Kommt aber sicher auch immer auf die Umstände an. Hoffe, du bekommst die Möglichkeit, solche Feste/Zeiten in deinem Leben wenigstens doch noch zu zweit zu „feiern“.

    Ansonsten finde ich deine Beiträge erfrischend anders.

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