highclasstussi

Barbie hates me… because Ken fucked me!

Untitled.

Mein Schatz,

niemals
werde ich vergessen, wie wir uns kennengelernt haben. Im Bus. Wir
fuhren jeden morgen gemeinsam im Bus. Und ich wusste nicht wer du
bist. Aber du machtest mir gute Laune. Ja, das machtest du mir.
Schon morgens um sechs. Tag für Tag. Wir haben uns angeschaut,
solange bis wir morgens um sechs so einen Lachanfall hatten, dass
wir uns nicht mehr halten konnten und der ganze Bus hat uns
angeschaut, als wären wir geisteskrank.

Natürlich war das nicht das letzte Mal, dass
irgendjemand dachte, dass wir zwei geisteskrank wären.

Kannst du dich noch erinnern, als ich das erste Mal bei
dir daheim anrief, deine Mama ging ans Telefon. Und mir wurde zum
ersten Mal bewusst, dass ich gar nicht weiß, wie du mit richtigem
Namen heißt. Du warst immer mein Mäusel. Immer. So hattest du dich
sogar vorgestellt. Woher verdammt nochmal sollte ich wissen, dass
du Thomas heißt?

Das ganze ist jetzt neun Jahre
her.

Ich war vierzehn.

Du wurdest gerade achtzehn.

Ich
erinnere mich an unser erstes gemeinsames Weihnachten. Als du mir
dieses unförmige Geschenk in die Hand gedrückt hast. Ganz
schrecklich eingepackt. Wir standen in Bühl am Bahnhof, ich durfte
nach Hause fahren aus dem Heim. Da standst du vor mir. Es dürfte um
den 20. Dezember rum gewesen sein, du nahmst mich in den Arm, ich
musste mich (wie immer) auf die Zehenspitzen stellen um dich zu
küssen, und du sagtest mir, dass du stundenlang gesucht hast um
etwas zu finden, was mich wirklich an dich erinnert. Du hast mir
das Versprechen abgerungen, dass ich es nicht vor Heilig Abend
aufpacken werde. Natürlich habe ich es sofort ausgepackt. Es war
das schönste Geschenk, dass ich jemals bekommen habe. Es war
Mike.

(Das Bild habe ich von Twitpic.
Dort habe ich es vor fast einem Jahr mit folgendem Text
hochgeladen: Mein Begleiter und Glücksbringer seit
sieben Jahren. Geschenkt bekommen vom meinem geliebten besten
Freund Mäusel)

Mike. Aus dem Film Monster
AG. Unser Film. Es wurde ein Running Gag zwischen uns, dass wir uns
in den laufenden Jahren allen möglichen Dreck geschenkt haben, der
mit dem Film zu tun hatte. Ich hab dir ein Buch gekauft. Ich wollte
es dir schenken, wenn wir uns das nächste Mal sehen.

Du wirst es niemals bekommen.

Mein
achtzehnter Geburtstag. Am Lagerfeuer. Im Schrebergarten. Meine
Mama dachte, dass wir Alkoholiker wären, soviel wie wir getrunken
haben. Wir wollten dort schlafen, aber auf einmal fing es an zu
regnen. Also sind wir doch nach Hause zu mir gelaufen. Wir hatten
Sex. Es war unser erstes Mal und ich weiß noch, wie ich danach
aufgestanden hatte, nackt ins Wohnzimmer ging und Angst hatte, dass
ich gerade meinen besten Freund verloren habe. Und was ich mir für
schreckliche Gedanken gemacht habe. ‘Es wird niemals mehr
so sein, wie es war.’ Ach was, du bist eingepennt und am
nächsten Tag war alles wie immer. Es war das erste, aber nicht das
letzte Mal.

Du warst immer für mich da, zu allen
Zeiten. Von Karlsruhe bist du nach Dortmund gefahren, als der Tomek
mich verlassen hatte. Weil es mir so schlecht ging. Du nahmst dir
Urlaub, damit du mich in den Arm nehmen und nicht nur am Telefon da
sein konntest, weil du sofort am Telefon gemerkt hast, wie schlimm
es wirklich um mich stand. Wenn du nicht gekommen wärst, dann hätte
ich mich umgebracht. Das wusstest du, ohne, dass ich es sagen
musste. Ohne, dass ich es jemals gesagt habe.

Da
warst du also bei mir in Dortmund. Wir haben morgens um zehn schon
angefangen zu trinken. Diesen billigen Rotwein, den du so gerne
mochtest. Wir haben durch die Wohnung getanzt und dieses Lied
( http://www.youtube.com/watch?v=g1vDYbgzCeA&feature=related),
Hearts Burst into fire von Bullet for my Valentine, die ganze Zeit
in Dauerschleife gehört. Ich habe noch das Handyvideo auf dem du
mit der Weinflasche durch mein Wohnzimmer gröhlst und ich die
Flasche will und wieder auf Zehenspitzen rumhüpfen musste, weil du
ja zwei Meter groß warst. Und ich mit meinen 1,73m ein Zwerg gegen
dich. Und ich sehe dich da cool und lässig vor mir tanzend und
singend, die Weinflasche über den Kopf haltend, mich auslachend,
weil ich so verzweifelt versucht habe, diese Flasche zu
bekommen.

Du wirst mich nie wieder
foppen.

Der Pimboli. Der Pimboli, der da
ausgebleicht von der Sonne in deinem Auto auf dem Armaturenbrett
klebte. Der Pimboli, den ich dir im selben Jahr zu Weihnachten
geschenkt habe, wie du mir Mike. Der Pimboli, der laut deiner
Aussage dein Leben gerettet hat, bei diesem
Autounfall, den du hattest. Ich musste weinen, weil du ja eigentlich total
gefühlskalt immer warst. Und trotzallem wusste ich, dass du mich
genauso liebst, wie ich dich.

Ach mein Schatz,
ich habe soviele Erinnerungen an dich und es tut mir so weh, dass
sie nicht mehr werden können.

Kannst du dich
noch erinnern, als ich immer sagte: „Ich hab dich so sehr
lieb, du kannst so scheiße sein zu mir, wie du es willst, aber
neben dir werde ich selbst mit 80 noch auf einer Parkbank sitzen
und streiten.“

Jetzt bist du
tot.

Wir haben uns in letzter Zeit sooft
gestritten, weil du mit meiner Lebensplanung nicht einverstanden
warst. Es tut mir so leid, dass wir darüber nicht mehr reden
können. Unser letztes Gespräch war so lieblos, so zwischen Tür und
Angel, ich hatte geweint, wegen der Christoph-Sache und du sagtest
ich soll mir nicht immer alles so zu Herzen nehmen, ich soll nicht
immer so sehr auf alle Rücksicht nehmen, denn auf mich nimmt
schließlich auch nie jemand Rücksicht. Ich hab so geweint, dass du
sagtest ich solle mich jetzt beruhigen und dann nochmal anrufen.
Ich habe nicht nochmal angerufen. Ich weiß nichtmal sicher, ob ich
dir nochmal gesagt habe, wie sehr ich dich liebe.

Gestern hat jemand bei Facebook unter dein Bild
geschrieben, dass sie dich vermissen wird. Und ich dachte mir so:
Gehts noch? Wollte dich anrufen und dachte noch im Spass bei mir:
„Meine Fresse, die tut ja grad so, als ist er
tot.“ Und da warst du schon tot.

Mein
Gott, du warst erst 26.

Wie oft ich dich
ausgeschimpft habe, weil du so nach dem Motto „Wenns
nicht weh tut ist es für den Arsch.“-gelebt hast. Ich
wusste, dass du nicht auf normalem Wege sterben wirst, ich hab dir
das auch immer so gesagt. Aber warum jetzt? Wir hatten noch soviel
vor.

Ich weiß, dass du jetzt, wenn du es
könntest neben mir stehen würdest, mich anlachen und sagen würdest:
„Hey, es ist alles gut. Hör auf zu weinen, meine Süße.
Leb dein Leben, es ist alles halb so schlimm. Du schaffst das auch
ohne mich.“ Aber ich bin gerade so hilflos, dass ich
nicht weiß, wie ich es schaffen soll. Wen rufe ich denn jetzt
nachts um drei an, wenn irgendwas los ist? Wer nimmt mich in den
Arm, wenn ich traurig bin? Ich habe doch nicht viele Leute, außer
dich. Wer heiratet mich denn jetzt, wenn ich 30 bin und kein
anderer mich will? Das war doch dein Part.

Ich
habe letztens mit einem Kerl von Twitter telefoniert. Als ich von
dir erzählte, fragte er mich, ob es sein kann, dass ich dich liebe.
Meine Stimme wäre so sanft geworden, als ich von dir erzählte. Ich
habe dir von dem Telefonat nichts erzählt. Du weißt ja, dass ich
dich liebe. Das Bitterste ist doch, dass wir es jetzt nochmal
versuchen wollten. Jetzt, wo ich endlich, nach Jahren, wieder in
deiner Nähe wohne.

Warum hast du denn nicht auf
dich Acht gegeben?

Ach mein Schatz, wenn du am
Samstag mit uns aufs Seenachtsfest gegangen wärst, dann wäre das
niemals passiert. Dann hätte ich auf dich Acht gegeben, wie immer,
weil du das ja nie getan hast. Naja, wie immer ist ja etwas
übertrieben, ich erinnere mich gerade, wie du deinen Zahn auf der
Party vom Alex verloren hast, als du in die Schlägerei reinkamst.
Da habe ich nicht so richtig aufgepasst. Aber hey, dein Zahn
steckte immerhin im Kopf des Anderen. Das hätte auch niemand
anderer geschafft, als du.

Du sagtest vor
nichtmal einer Woche zu mir, dass ich nicht immer alles planen
soll, sondern auch mal ein bisschen spontan sein soll. Glaube es
mir, das werde ich ab jetzt tun. Man weiß nie, wann es zu Ende
ist.

Es hört sich jetzt vielleicht dumm an, aber
wenigstens hattest du noch ein Fest, bevor du starbst. Ich weiß,
dass du ganz sicher betrunken warst. Wann warst du das mal nicht
auf einer Party? 🙂 Ich hoffe so sehr, dass du keine Schmerzen
hattest.

Nachher werde ich deine Mama anrufen.
Ich hoffe, dass es ihr gut geht. So gut, wie es ihr gehen kann.
Deine Schwester, deine Brüder, deinen Papa…. Ich würde
sie so gerne in den Arm nehmen.

Dich kann ich ja
leider niemals mehr in den Arm nehmen.

Mein
Schatz, ich danke dir, für diese wunderbaren neun Jahre, die du mir
geschenkt hast. Du hast mein Leben so sehr bereichert und ich habe
soviel gelernt von dir.

Ich danke dir, dass du
immer da warst, wenn ich dich gebraucht habe.

Sei dir sicher, der Nummer 1 Platz in meinem Leben wird
immer deiner bleiben, daran ändert auch dein Tod nichts!

Ich vermisse dich.

Ich
liebe dich.

Dein Schwänchen.

Advertisements

Einzelbeitrag-Navigation

2 Gedanken zu „Untitled.

  1. Lane sagte am :

    weißt du liebste, grade am telefon als du mir das erzählt hast, hätte ich mitweinen können. das ist alles so krass. krank, einfach krank. und jetzt wein ich wirklich, du hast das so schön geschrieben. so liebevoll.
    ich weiss immer noch nicht was ich dazu sagen soll.
    ich drück dich!

  2. Pingback: Think about your best memory. | highclasstussi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: